• Stephan Hänni

Der Leuchtturm


Ich war gestern auf dem Heimweg im Zug mit meinen Gedanken im Reich der Träume versunken.

Dabei bemerkte ich auch nicht, dass ich eine Sitznachbarin erhalten hatte…


Als ich zu mir kam, blickte ich in das Gesicht der Sitznachbarin, welche mich anschaute, als wäre ein Geist erwacht.


Ich erschrak dabei ein wenig.

«Haben Sie gut geschlafen?»

war dann ihre Frage.


Mir war es in dem Moment recht unangenehm, denn irgendwie war ich gerade gar nicht in Stimmung zu «quatschen…».

«Danke, ja…»

Gab ich scheu zur Antwort.


Dabei schaute ich die Frau an und bemerkte, dass Ihr Gesicht nicht gerade den glücklichsten Eindruck machte.


«Sie wirken recht traurig…» bemerkte ich dabei.

«Sie haben einen guten Blick. Ich bin zwar nicht traurig, aber enttäuscht.

Ich arbeite als freie Journalistin und werde in letzter Zeit, von einigen Lesern meiner "Kolumnen" aufs übelste angefeindet.»


«Was haben Sie bisher gegen diese Anfeindungen unternommen?»

«Eines der besten Werkzeuge auf "solche" Kommentare ist schweigen. Ein Kollege empfahl mir diese Taktik.» «Hat es geholfen?» «Nicht wirklich. Ich habe dann versucht die Kommentare nicht mehr persönlich zu nehmen. Danach versuchte ich es mit meditieren, geholfen hat auch das nicht.»

«Was bedeutet dies nun künftig für Sie…?» «Tja, entweder damit umgehen zu können oder eine andere Arbeit auszuüben.»


«Ich hatte früher einen Kollegen betreut, welcher Strassenrennen fuhr. Für Ihn bedeutete Erfolg nur «SIEGEN». Der zweite Rang bedeutete für Ihn versagt zu haben. Ich sagte ihm damals folgendes: «Miss deinen Erfolg nicht mehr an den ersten Plätzen sondern am Spass daran. Am Spass und der Freude am Radfahren.»».



«Es mag zwar leichter sein, seinen Erfolg nach Resultaten zu messen. Doch wenn man daran zu Grunde geht, bringt dies keinem etwas. Wirklicher Erfolg ist innerlicher Erfolg. Innerliches Glücklichsein.

Auch ich hatte eine Zeitlang so meine Probleme, da ich davon abgekommen bin, meinen Erfolg am Spass zu messen.


Wirklicher Erfolg ist doch dann, wenn man für sich ein erfüllendes Leben voller Freude und Spass lebt. Wenn man angefeindet wird, ist das doch für die Person, die es macht, traurig. Denn ein Mensch, welcher mit sich und der Welt im reinen ist, würde dies doch nie tun, oder?»

«Das hat etwas… Aus diesem Blickwinkel habe ich dies noch gar nicht angeschaut. Statt mich über die Personen zu ärgern, sollte ich eher Mitleid haben und mich auf das konzentrieren, was mir grossen Spass macht. »

«Mitleid ist vielleicht nicht das richtige Wort. Sehen Sie diese Menschen als Ihre Lehrmeister an. Solange unhaltbare und freche Kommentare Sie traurig und nachdenklich stimmen, so lange haben Sie noch an Ihrem Spasslevel zu arbeiten. »

Dabei schaute ich auf die Uhr und merkte, wie schnell die Zeit verging.


«Wenn Sie das nächste Mal angefeindet werden, vergleichen Sie sich mit einem Leuchtturm, der die Blicke auf sich zieht. Dem ist es egal, was über ihn gesagt oder gedacht wird, der leuchtet immer weiter und verhilft Menschen zu schönen und sicheren Momenten.

Es gibt eine schöne Geschichte über eine alte Legende der Cherokee-Indianer. Dabei handelt es sich um zwei kämpfende Wölfe. Einer der Wölfe ist Neid, Sorge, Bedauern, Ärger, Arroganz, Selbstmitleid, Schuld, Missgunst, Minderwertigkeit und Lügen. Der andere Wolf ist Freude, Hoffnung, Liebe, Wohlwollen, Mitgefühl, Wahrheit, Grosszügigkeit Glaube, Gelassenheit und Demut. Letztlich gewinnt der Wolf, den man füttert. »


Nun war der Zug am Ziel angekommen und ich verabschiedete mich von der Frau, welche nun ein hübsches Lächeln auf sich trug.

Oftmals kann ein unfreiwilliges Gespräch zu ganz tollen Momenten führen.


In dem Sinne wünsche ich Ihnen eine ganz schöne und spassige Woche!


Euer Stephan

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